Aktivismus

Die Welt, in der wir leb(t)en, steht vor einem radikalen Wandel. Tiefgreifende Veränderungen haben bereits begonnen. Diese atemberaubende Situation zwingt mich, meine Art, in der Welt zu sein, neu zu überdenken – und den Drang zu handeln, sowohl persönlich als auch politisch, wird immer größer.

Ab Februar 2022 engagierte ich mich in der Bewegung Letzte Generation, um einen systemischen Wandel zu fordern und die globale Erwärmung auf +2 Grad zu begrenzen. Die Pariser Abkommen setzen klare Maßstäbe, und die UN betont regelmäßig, wie entscheidend sofortiges Handeln für unser Überleben ist. Untätig zu bleiben wär laut Antonio Guterres "ein Verbrechen gegen die Menschheit".

Die Letzte Generation ist eine Bewegung des zivilen Ungehorsams, die sich gewaltfreiem Widerstand verschrieben hat. Wir führten Straßenblockaden durch, deren Wirkung dadurch verstärkt werden, dass sich einige Aktivist:innen auf den Asphalt klebten. Die Letzte Generation ist Teil des internationalen A22-Netzwerks, das im April 2022 entstanden ist. Es umfasst ähnliche Kampagnen in 11 weiteren Ländern, wie Just Stop Oil (UK), Declare Emergency (USA) und Dernière Rénovation (FR). Wir tauschen uns aus und unterstützen uns gegenseitig. Diese Bewegungen entfalteten ihre volle Bedeutung, wenn man sie als Ganzes betrachtet – wie ein Netz. Deshalb habe ich mich entschieden, auf dieser Seite Fotos von allen zu zeigen.

Jede:r von uns kann einen Beitrag leisten und ein klares Signal senden, indem wir unsere Art zu leben verändern. Die Größe der Krise anzuerkennen, gab mir Kraft und war ein Schlüssel, um innere Widerstandsfähigkeit und Resilienz aufzubauen.

Ich habe 2022 an etwa zehn Aktionen teilgenommen, meist in Berlin, wo ich lebe, aber auch an einer in Frankfurt, wo ich vor einigen Jahren arbeiten durfte. Dann stand ich vor Gericht – wie jede:r Aktivist:in, die:der sich am zivilen Ungehorsam beteiligt. Natürlich ist ein Gerichtsverfahren nicht angenehm, da jede Verurteilung eine Belastung für meine persönliche Zukunft darstellt. Gleichzeitig bat eine neue Gelegenheit, meine Werte zu vertreten und die Bedeutung unseres Ansatzes zu erklären.

Artikel 20a des deutschen Grundgesetzes (GG), der 2002 hinzugefügt wurde, besagt:

„Der Staat schützt auch in Verantwortung für die künftigen Generationen die natürlichen Lebensgrundlagen und die Tiere im Rahmen der verfassungsmäßigen Ordnung durch die Gesetzgebung und nach Maßgabe von Gesetz und Recht durch die vollziehende Gewalt und die Rechtsprechung.“

Indem die deutsche Regierung die notwendigen Maßnahmen gegen den Klimawandel nicht ergreift, bricht sie ihr eigenes Recht und gefährdet die Lebensgrundlagen zukünftiger Generationen und die Bewohnbarkeit des Planeten.
In der Bundesrepublik Deutschland ist das Widerstandsrecht in Artikel 20 Absatz 4 des Grundgesetzes (GG) verankert. Nach Artikel 20 Absatz 4 GG haben alle Deutschen das Recht, Widerstand gegen jeden zu leisten, der die demokratische Grundordnung beseitigen will, wenn andere Abhilfe nicht möglich ist. Angesichts des Klimawandels sind nicht nur die Voraussetzungen für die Anwendung von Artikel 20 Absatz 4 erfüllt, sondern es ist auch die Verantwortung aller gefragt.

Mit dem Fortschreiten der Kampagne nahm auch die Repression zu. Gleichzeitig solidarisierten sich viele Organisationen mit der Bewegung und erkannten an, dass der deutsche Staat seine Versprechen nicht einhält und das Handeln der Aktivist:innen angemessen ist, um der politischen Untätigkeit entgegenzuwirken. Vor diesem Hintergrund wurden wir an die Volksbühne Berlin eingeladen und veranstalteten dort einen Abend mit den Schauspieler:innen. Wir lasen Zeugnisse von Aktivist:innen aus aller Welt, von Menschen aus dem globalen Süden, die bereits von der globalen Erwärmung betroffen sind, und zeigten auf, wie ziviler Ungehorsam als Hebel für die notwendigen gesellschaftlichen Veränderungen genutzt werden kann.


Neben meinem Engagement bei Letzte Generation war ich bei Parents for Future aktiv und stehe in Kontakt mit zahlreichen Gruppen innerhalb und außerhalb des For Future-Netzwerks. Aktivistenarbeit lebt vom ständigen Austausch, und die Arbeit unzähliger Vereine und NGOs ist notwendig. Ich bin allen zutiefst dankbar, die sich engagieren.


Doch ökologisches Engagement ist nicht nur Politik. Es ist auch eine Frage zwischenmenschlicher Beziehungen. Weil es unseren Alltag am stärksten prägt, ist die lokale Ebene auch eine wichtige Ebene, auf der Mensch Einfluss haben und konkrete Veränderungen bewirken können. Mit Nachbar:innen sprechen, einen kleinen Garten anlegen, sich in kleinen Gruppen organisieren, um praktische Probleme zu lösen usw. sind essentielle Bausteine, um Gesellschaft zu gestalten. Die Art, wie wir den öffentlichen Raum nutzen, neu zu denken, bedeutet, präsent zu sein: in unseren Häusern, in unseren Straßen, in unseren Nachbarschaften.

Mehr dazu hier:
>>> 27.06.2023, DNA, France
>>> 23.05.2023, T-online, Germany
>>> 05.06.2022, Tagesspiegel, Germany





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